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Neuralgien

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Neuralgien: Diagnose

Neuralgien

Definition

Rezidivierende bzw. auch chronische lokale Schmerzen durch Irritation der peripheren Nerven oder der Nervenwurzel; Schmerzen, die auf das Ausbreitungsgebiet eines Nervs beschränkt sind.

 

Gesichtsneuralgie

Anamnese

  • Schmerzart: isoliert, blitzartig, fortdauernd, anfallsweise
  • Auslösende Umstände: Sprechen, Kälte, Kauen, Schlucken, Trigger-Zone
  • Betroffenes Gebiet: ein- oder (selten) beidseitiger Schmerz
  • Zeitdauer, Periodizität
  • Prodromi, Begleiterscheinungen (Schwindel, Rötung, Augentränen etc.)

Diagnostik

  • Prüfung von Sensibilität und Motorik im Bereich des Trigeminus
  • Prüfung benachbarter Hirnnerven: N. facialis, oculomotorius, statoacusticus, vestibularis (Lid- und Bulbusstellung, Nystagmus, Gehör)
  • Pyramiden- und Kleinhirnbahnen 
Weiterführende Untersuchungen
  • Röntgen: Schädel, Felsenbeine, Orbitae, Nasennebenhöhlen, Kiefergelenk; CT, ggf. NMR
  • Vestibularis-Untersuchungen: Drehstuhl
  • Audiogramm etc.
  • Untersuchung des Liquor cerebrospinalis
  • Eventuell zahnärztliche Okklusion und ophthalmologische Untersuchungen (DD: akutes Glaukom)

Klinische Symptomatik

Typische Trigeminusneuralgie

Kurze, blitzartige, einseitige Schmerzen nur einen oder zwei Äste (z. B. V2/V3) des N. trigeminus betreffend, schmerzfreies Intervall
Oft ausgelöst durch: Sprechen, Kauen, Kälte (Zone, durch deren Irritation der Schmerz ausgelöst wird = Trigger-Zone), klinische Untersuchungen ergeben in der Regel keinen pathologischen Befund

 

Typische Glossopharyngikus-Neuralgie

Schmerzen gleichen Charakters wie bei Trigeminusneuralgie, weiter dorsal lokalisiert: Tonsillen, Zunge (hinteres Drittel), Mittelohr (ausgelöst durch Schlucken oder Phonation), gelegentlich Herzrhythmusstörung im Schmerzanfall bis zur Asystolie

 

Laryngeus-superior-Neuralgie

Schmerzen unterhalb des Kieferwinkels, Triggerpunkt am Nervendurchtritt durch die Membrana hypothyreoidea

 

Symptomatische Trigeminus-Neuralgien

Ursachen

  • Lokale Erkrankung: Nase, Zähne, Ohren, Nasennebenhöhlen, Hirntumor, Syringobulbie, Aneurysma
  • Allgemeinerkrankung: Multiple Sklerose (seltene Ursache einer Neuralgie)
  • Zoster (oft brennender, quälender Dauerschmerz)

Symptome

  • Dauernde oder anfallsweise sich verstärkende Schmerzen
  • Begleitet von einer Hyperalgesie im entsprechenden Gebiet, fehlender Kornealreflex
  • Zeichen weiterer Hirnnervenschädigungen fakultativ

 

Okzipital lokalisierte Schmerzzustände

Ursachen 

z. B. Läsionen des kraniozervikalen Übergangs und der Gelenke dieser Region, Missbildungen, Tumoren, Insertionstendopathien, Spannungskopfschmerz, Migräne

 

Eigentliche Okzipitalneuralgie (Existenz wird angezweifelt)

Symptome

Paroxysmal auftretende, teilweise sehr heftige Schmerzen mit typischer Triggerzone, keine neurologischen Ausfälle
Die Okzipitalneuralgie kann auch als Dauerschmerz mit und ohne attackenweise Verstärkung auftreten

Differentialdiagnose

  • Zervikogener Kopfschmerz
  • Costen-Syndrom durch Kiefergelenkaffektion hervorgerufen
  • larvierte Depression oder atypischer Gesichtsschmerz. Neuralgieartig heftiger, im Laufe der Zeit wandernder Gesichtsschmerz ohne sichere Zuordnung zu Nerven und ohne organische Ursache

 

Interkostalneuralgie

Die Diagnose "idiopathische" Interkostalneuralgie sollte sehr zurückhaltend gestellt werden. Es handelt sich dabei meist um radikuläre Schmerzen, deren Ursache es zu suchen gilt.

Ursachen

Zoster (die Zosterneuralgie, auch als postherpetische N. bezeichnet, kann besonders bei älteren Patienten jahrelang nach der akuten Erkrankung persistieren), M. Bechterew, Spondylitis, Wirbeltumor oder -metastasen, spinale, raumfordernde Prozesse (bes. Wurzelneurinome), thorakaler Wurzelschmerz bei Diabetes mellitus, selten thorakaler Bandscheibenvorfall

Symptome

  • Unilaterale, gürtelförmige ausstrahlende Schmerzen im Thoraxbereich mit Verstärkung durch Atembewegungen, Husten und Pressen
  • Segmentale Sensibilitätsstörungen und eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule bei Wirbelprozessen und spinalen raumfordernden Prozessen

Differentialdiagnose

  • Rippenfrakturen, Pleuraerkrankungen, Bronchialkarzinom, penetrierendes Magengeschwür, Pankreasaffektionen etc.
  • Sehr starke, von Haltung, Lage und Bewegung unabhängige Schmerzen radikulären Charakters am Rumpf oder auch einer Extremität mit deutlichem Maximum nachts können Symptom einer Borreliose (durch Zecken übertragene Spirochäteninfektion; siehe auch Lyme-Borreliose) sein (Blutuntersuchung auf spez. IgM- und IgG-Antikörper).
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